Warum Identität wichtiger ist als Glück. Meine Philosophie Teil 1

Ich glaube nicht, dass die Frage nach dem Glück das Leitmotiv unserer Gesellschaft ist. Noch in den Kinderschuhen, glauben wir, dass wir Glück verfolgen. Mitunter aber sind wir gezwungen unsere Perspektive zu wechseln.

Psychologin: Wie fühlst du dich?
Norman: Ich fühle mich häufig gelangweilt.
Psychologin: Gelangweilt? Wie gelangweilt?
Norman: Alles, was ich anfange, wird oftmals sofort langweilig.
Psychologin: Was genau?
Norman: Zum Beispiel, beginne ich ein Computerspiel und es macht einfach keinen Spaß.
Psychologin: Meinst du gelangweilt oder sinnlos?

In diesem Moment dachte ich nach. Zum ersten mal merkte ich, dass, dass das Wort ’sinnlos‘ die Situation viel besser beschrieb. Aber warum benutzte ich es nicht zuvor? Mit 16 Jahren merkte ich, dass ich an Depression litt, vielleicht ein Resultat jahrelanger Demütigung zuvor, in denen ich keine Sicherheit finden konnte.

In der Sitzung bat mich die Psychologin indirekt, die Verhältnisse in unserer Familie aufzuschlüsseln. Sie fragte, wie wir in der Familie beieinander sitzen würden. Während ich offenbar ein normales Verhältnis zu meinem Vater und meiner Mutter zeigte. Konnte ich mich nur abwenden, wenn sie sagte, dass sie meine 4 Jahre ältere Schwester sei. Ich fühlte mich eingeschüchtert und konnte nicht antworten. Sie kam mir näher und ich wich weg. Noch jetzt fühle ich, wie beklemmend die Situation ist. Ich brach aus in Tränen.

Schlimmer als diese Tatsache ist, dass niemand in meiner Familie dieses anerkennt. Menschen werden oftmals indirekt täglich unter Druck gesetzt, kommt es dann zu Ausbrüchen, sehen wir diese.

Nachdem meine Schwester auszog, suchte ich keine Unterhaltung, keine kurzwährendes Computerspiel, ich suchte Sinn. Wie aber finden wir Sinn?

Kurzwährendes Glück gibt es an jeder Straßenecke: Es gibt Bars, Unterhaltung, Rauschmittel, Nahrung, nur eines gibt es nicht direkt: Freundschaft und anhaltende Anerkennung, eine Familie, in der man sich nicht unterdrückt, einsam und ausgegrenzt fühlt.

Mit 16 Jahren zog meine Schwester aus. Zuvor war mir vieles peinlich. Las ich ein Buch, war das irgendwie auf ihrem Programm und sie spendete, ungewollte Aufmerksamkeit, eine Mischung aus Sarkasmus, Neugier und Kontrolle. Es war nicht schlimm, aber die Worte: „Du liest ein Buch?“ mit übertriebener Überraschung, diese Worte ließen mich nicht wohl fühlen.

Sie zog aus und ich bekam Privatheit und ein Zimmer. Die Abwesenheit von jemandem, der mich mein Leben lang zuvor kontrollierte, mir am Nachmittag Befehle gab, was ich zu tun habe oder sich nicht mehr über meinen Körper lustig machte, mir ständig Egoismus vorhielt, war eine Befreiung. Ich begann, wenn auch sehr langsam, Bücher zu lesen. Außerdem stellten wir ein billiges Roland-Klavier in mein Zimmer. Ich spielte Klavier. In diesen Momenten interessierte mich nicht mehr der Computer, sondern es wurde eine Sinnsuche in einer Mischung aus Selbstrealisierung und der Frage nach Anerkennung.

Nun sitze ich hier und wie ich es einst bei Sloterdijk las. „Irgendwann blättern sich die beschriebenen Seiten um und werden zu Schreibenden.“

Als ich meine Schwester eines Tages damit konfrontierte, konnte sie nur erwidern, dass ich spinne und ein schlechter Mensch sei. Nur Eltern könnten einen derartigen Einfluss auf einen Menschen haben. Offenbar gehörte meine „Küchenpsychologie“, wie sie es nannte, zu dem falschen Charakter, den nur sie hätte zurecht biegen können und zwar in meiner Kindheit.

Das ist kein Urteil über einen anderen Menschen. Das sind meine Perspektiven. Es ist, was mir in meiner Kindheit passiert ist.

Es zeigt nur, dass Identität, der wesentliche Baustein ist, um ein sinnerfülltes Leben zu führen. Kein Geld der Welt kann uns diese Freiheit kaufen.