Alternative Biografie

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Selbstbeschreibung

Eine Geschichte sollte es sein, ohne Biografie. Würden Sie sich denn schon für eine dröge Auflistung von Geburts- und Jahreszahlen interessieren? Ist es nicht so, dass wir uns eigentlich eher für die Geschichten, die hinter den Zahlen stehen, interessieren?

Für gewöhnlich aber ist unser Leben keine große Geschichte – auch meines nicht. Würde hier nun ein Buch beginnen, so wüssten sie sofort: Das dort links im Bild, das ist der Held und jetzt sitzt er zwar noch gemütlich in einem Sessel und verfasst diesen Eintrag, aber gleich würde er aufstehen und es würde beginnen: Das Abenteuer. Was mag es sein? Eine tragische Liebesgeschichte? Der Aufbruch zur Schatzinsel? Ein verirrtes Genie, zerissen zwischen Selbstanspruch und Wirklichkeit? Ein Mensch auf dem Weg die Menschheit selbst zu retten? Oder ein an Selbstüberschätzung leidender Schnösel, dem nur die richtige Liebe den Kopf zurecht rücken muss und das Herz an die richtige Stelle pflanzt?

Ich muss sie enttäuschen! Bis jetzt stecke ich selbst noch in meiner Biografie fest; ich bin noch nicht Geschichte. Meine Lebensgeschichte würde sich ohnehin nur von dem Bewusstsein meiner eigenen Grenze her erzählen lassen. Sie wissen doch diese Grenze, die allem ihren Sinn gibt. Nein, ich sehe es an ihrem Gesicht. Sie verstehen nicht, was ich meine. Hat nicht jedes Abenteuer eine Grenze? Aber was sollte diese Grenze sein? Der Held kehrt zurück, heiratet die Errettete und lebt glücklich bis ans Ende seiner Tage?

Mein Leben geht weiter – mittendrin. Nun eine Geschichte über mich könnte ich Ihnen nur erzählen, wenn ich bereits tot wäre und mein Leben schon geschrieben ist. Dann erst würde dieses Leben seine Bedeutung erhalten. Alle Möglichkeiten hätten sich auf eine endliche Geschichte begrenzt. Nun aber erzähle ich ihnen hier maximal, welches Bewusstsein mich begleitet. Sie wollen Biografien? Ach Sie! Das Geschachere um schöne Biografien kann unserer Eitelkeit ohnehin nicht gerecht werden. Aber gut fangen wir mal an 🙂

Ich habe Philosophie in Halle, Freiburg, Köln und Pittsburgh studiert. Ich habe auch ein bisschen Chinesisch in Tawain erlernt. Außerdem habe ich noch Sprachwissenschaft, Soziologie und Musikwissenschaft in meinem Programm gehabt. Ich habe mit Auszeichnung abgeschlossen. Wie mein Blog schon zeigt, interessiere ich mich für alle Dinge, die es gibt. Die Philosophie glaubt ja noch diese Dinge lassen sich auch ordnen und aus einem Prinzip heraus beherrschen. Dieses glaube ich auch, allerdings habe ich das Prinzip dazu noch nicht ausmachen können. Ich beschäftige mich also mit Grenzbestimmungen und dieses wird auch das Thema meiner Doktorarbeit sein.

Ich weiß nicht, ob Sie hierher gekommen sind, um diese eitlen und egozentrischen Gedanken hinter meiner Stirn zu bewundern, aber ich kann ihnen versichern, dass es Gedanken hinter meiner Stirn sind, die ich Ihnen gerne versuche mitzuteilen. Jawohl, das ist kein geo- oder heliozentrischen Weltbild, was ich ihnen anbieten kann, sondern nur ein egozentrisches. Umgrenzen kann ich ihnen daher nichts Genaues außer von meinen Grenzen des Denkens berichten. Das tut mir sehr leid, ich kann ihnen nur ein paar Denkskizzen vermachen und hoffe sie können diese weiter verwenden für ihre egozentrischen Denkplanetenbahnen. Skizzieren wir also ein bisschen aus meinem Inneren:

Der Pessimist in mir?
Heute ist glaube ich der letzte sonnige Tag im Jahr, so wie jeden Tag. Ich bin Pessimist müssen Sie wissen. Nein, eigentlich stimmt das nicht. Es ist nur so, dass ein Optimist doch sein Leben lang mit Enttäuschungen umgehen müsste, da er es immerhin besser erwartet als es kommen kann und wenn es dann so kommt, wie er es erwartet hat, dann muss er sich heuchlerisch selbst belügen und sagen, dass das Wetter nun doch besser sei, als er erwartet hätte. Ein Optimist ist doch ein Widerspruch in sich! Sehen Sie nun schreibe ich ein Ausrufezeichen. Ein klares Zeichen für einen schwachen Verstand. Warum sich solcher Mittel bedienen? Wenn ich es nämlich Recht bedenke, gilt gleiches nur umgekehrt für einen Pessimisten. Sehen Sie, ich sollte aufhören über die Gedanken hinter meiner Stirn nachzudenken.

Meine Musik
Sport betreibe ich daher sehr gerne (allerdings sind abgesehen vom Schach die Erfolge ausgeblieben), ein bisschen Denkflucht. Eine andere Denkflucht besteht in der Musik, die allerdings nur mit mäßigem Erfolg betreibe, aber dennoch sehr gerne. Hier eine Kostprobe:

Auch wenn es den ein oder anderen, der es vielleicht nicht über das Notebook hört überzeugen mag, an mir hat sich kein musikalisches Genie bewahrheit. Daher fragte ich einst Lang Lang, einen der berühmtesten Pianisten der Gegenwart: „Lang Lang what is the truth of music?“ Er erwiderte lächelnd: „Don’t you know after you have heard the music today?“ Ich entgegnete ihm, dass er sehr wunderschön gespielt hätte, aber dass ich für Schubert noch zu jung wäre. Als er fragte wie alt ich sei und ich ihm sagte, dass ich ein Jahr jünger sei als er, schlussfolgerte er: „So you have just one year left to understand music.“

Barpiano
Da mittlerweile ein Jahr vergangen ist, habe ich die Chance wohl verpasst. Daher ist es gut, dass ich noch ein zweites Standbein habe, nämlich das Barpiano. Hier also eine Kostprobe davon:


Ich kann „durchschnittlich“ alles spielen, aber leider sperrt Youtube, viele meiner sehr guten Barpianoversionen von berühmten Stücken, so dass ich ihnen leider nicht mit Frank Sinatra die Welt erklären kann. Dafür habe ich begonnen mir Fernsehserien auszudenken, um dafür die Musik zu schreiben. Vielleicht erkennen sie ja vom Hören um welche Art von Serie es sich handelt?

In meinen Träumen waren die Niagarafälle gigantischer.

Die Widersprüche in uns
Nun wer bin ich aber nun neben diesen wenigen Interessen, die sie nun wissen? Sie wissen mittlerweile, dass ich diese Frage eigentlich garnicht beantworten möchte, aber vielleicht auch weil ich glaube, es nicht zu können? Ich bin ein Optimist und Pessimist. Nein eigentlich bin ich ein einziger Widerspruchserzeuger wie jeder von uns.
Heute ist also ein schöner Tag, vielleicht der letzte in diesem Jahr. Aber wie kommt es, dass ich Ihnen diese Banalität mitteile? Es scheint, dass am Ende allen Denkens enttarnt einer die Banalität aus sich selbst. Alles ist Kitsch, wusste schon Heraklid. Er hat es nur umschrieben mit „alles fließt“. Aber wenn ich hier zu dem Fluss hinunter wandere und mir diesen unter dem schimmernden Grün der Bäume anschaue und diese elenden Vögel drumherum zwitschern, dann sehe ich doch, dass der Fluss nur im Beharrlichen bestehen kann. Fließen kann doch nur etwas, wenn etwas anderes relativ zu diesem besteht. Ach, Sie! Glauben Sie mir die Gedanken kämen nicht, wenn ich jetzt nicht mit ihnen spräche. Vielleicht sind Sie ja der Pessimist in mir! Nein, das sind Sie sie nicht. Die meisten Menschen behaupten in diesen Situationen Sie seien Realist. Vermessener geht es wohl kaum. „Geh und explodier mit Gott“, sage ich dann immer.

Mein realer guter Freund und der große Hegelexperte: Pat McHugh

Die reale Welt und der Idealismus

Die reale Welt habe ich nämlich noch nicht gesehen. Immer wenn ich versuche mein eigenes Verstehen zu verstehen, ist mir doch mein eigenes Verstehen im Weg. Woher sollte ich schließlich wissen, was ich denke, bevor ich es verstehe. Habe ich dies wirklich gesagt? Habe ich dies wirklich gedacht? Diese Fragen sind stets verworren, aber sie gleichen sich doch in ihrer Unsicherheit. Ja, ich sitze hier also in der Natur und bin mir unsicher über die Welt. Das erinnert mich an etwas: Als ich klein war hatte ich einen imaginären Freund, der mir permanent einreden wollte, ich sei nicht real. Irgendwann dachte ich tatsächlich ich wäre nur ein imaginärer Freund und habe dann gehofft mich nicht zu vergessen. Ach, aber Ihnen bin ich doch mit Sicherheit nur ein Gedanke. Vergessen Sie mich, so bin ich erloschen. Und so ist es, wenn einen alle vergessen, und so auch einer sich selbst vergisst, dann sitzt einer in der Natur und ist überhaupt nicht mehr verwundert. Ein letzter schöner Tag begegnet ihm, eigentlich schlechter als gestern, aber immer noch besser als morgen.

Idealismus
Meinen Sie das, wenn Sie sagen, Sie seien ein Realist? Ach, Sie, wie pessimistisch! Dann wären wir ja alle nur unsere imaginären Freunde und gingen Hand in Hand durch eine Welt, die nur für einen allein genommen real ist. Wir hingegen wären nur Einbildung. Nun, wenn wir aber doch nur unsere Einbildung sind, dann sage ich sogleich, dass ich gar kein Realist bin, sondern nichts weiter als ein Idealist.

Es ist schon ernüchternd, wenn einer erkennt, dass er in all seinem Denken, seinen Seefahrten in das Meer der Gedanken, nie die Horizonte seines eigenen Denkens erreicht hat und sogar noch hinter der Größe seines eigenen Denkens zurückbleibt. Ich bin gestrandet auf der Insel dieser Einfalt und schreibe täglich diese Flaschenpost, die niemand liest. Ein verlorener Idealist.

 

San Fransisco Bay

Die Nutzlosigkeit der einzelnen Nachricht
Ohnehin vergehen wir in Durchschnittlichkeit und nichtssagenden Worten, wir selbst sind doch immer schon nicht mehr als eine Hymde auf die Banalität, eine Ode an die Leere, ein Gedicht zusammengestzt aus Sinnlosigkeit. Warum also noch an anderen leeren Sätzen sein Unwissen auch noch vermehren?
Trotzdem lese ich viel und schreibe. Ich lese morgens im Kaffee, im Sand, im Himmel, in Gesichter hinein, aber vor allem durchforsche ich die Spuren der Tinte, die Graphithügeleien, die Buchstabenwelten einer anderen nur gedachten Welt, ich senke meinen Kopf in ein Buch und hebe an über diese Welt hinauszukommen.

Wie geht einer aber in seinem Herzen mit dieser Zwiespältigkeit dem letzten Widerspruch um? Nun, Sie wissen ja, das Herz ist robust gegenüber allem Unfug, was der Kopf sich so ausdenkt. Wissen Sie, bei einer Herztransplantation fiel einer Assistenzärztin das Herz aus der Hand, es landete auf dem Boden, wo es von einem Oberarzt (versehentlich) in eine andere Ecke des OP-Saal geschossen wurde und trotzdem wurde dieses Herz verpflanzt.

Das stabile Herz in uns
Ja, Herzen sind stabil, solange einer keine Messer hineinsticht. Wirklich Sie können mühelos mit Ihrem Herz Fussball spielen und es sich danach wieder einsetzen. Ach, aber es geht ja auch nicht um unser Herz, sondern um die Frage mit welchen Wahrheiten wir leben wollen. Es geht nicht um „den“ einen Menschen, es geht auch eigentlich nicht um uns, sondern generell um die Wahrheit unseres Zusammenlebens. Was ist für uns alle gut? Denn irgendwann geben wir auch unser Herz aus der Hand, diese Weltspende, unser doch immer fremdgebliebenes Herz, unser Leben, doch vorher sollten wir eine andere Hand, Kinderhände gefunden haben, wo wir es hinüberreichten. Wofür also leben? Tragisch wohl, dass wir gestorben sind, bevor wir die Antwort erfahren haben. Dort endet unsere Biografie, unser  Leben, aber dort hat unsere Geschichte immer schon ihren Beginn gehabt. Der Sinn meines Seins liegt in der verstreichenden Zeit. Ein Tag kann nur schön sein, weil er morgen nicht mehr schön sein kann. Ein Tag kann nur häßlich sein, weil er das gestern nicht war. Wissen Sie der Optimist und der Pessimist ist in jedem von uns, wie auch der Idealist und Realist und so gibt ein verstreichendes Leben den Tagen seinen Sinn. Sie merken, ich bin in mir niemand anders als Sie in sich. Selbstgedanke, Selbstgefühl: Denken an der Grenze.

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Philosoph und Schriftsteller